Bericht über den Hilfseinsatz in der Türkei

und wie man seine eigenen Grenzen kennenlernt

 

Ich - Tatjana - war kurz nach Weihnachten und über Silvester wieder in der Türkei, um dringend beim Einfangen und Versorgen der Straßenhunde zu helfen, da uns ja jetzt langsam die Zeit davonrennt.

Über den Jahreswechsel kam Sabrina für drei volle Tage extra angereist, um bei Transporten, Tierarztterminen und der Versorgung der Hunde zu helfen. Schon ihre Ankunft war ein riesiges Geschenk, denn ohne sie wäre vieles schlicht nicht machbar gewesen.

Von früh morgens bis spät in die Nacht waren die Tage komplett durchgetaktet. Schlaf gab es kaum, Pausen nur dann, wenn man es schaffte, zwischendurch ein paar Bissen zu essen. Trotzdem ging es immer weiter — weil die Hunde es brauchten.

Tag für Tag wurde eine unglaubliche Menge geschafft:

  • Insgesamt fünf Hunde wurden in verschiedene Pensionen gebracht.

  • Vier weitere Hunde konnten kastriert werden.

  • Der Transport von neun Hunden wurde organisiert — inklusive Unterbringung in einer Pension und Vorbereitung für ihre spätere Ausreise.

  • An einem eiskalten Morgen, bei –4 Grad und völliger Dunkelheit, mussten diese Hunde um 8 Uhr eingefangen und sicher in Boxen verladen werden.

  • Zwischendurch wurden Spendenkoffer abgeholt.

  • Zuhause warteten drei kranke Hunde, die gepflegt werden mussten.

  • Dazu kamen mehrere Tierarztbesuche.

  • Und als wäre das alles nicht schon genug, liefen parallel weiterhin die regulären Fütterungstouren, die mehrere Stunden dauerten.

 

Foto: Sabrina bei einer der Fütterungstouren

 

Diese Tage waren körperlich wie emotional eine enorme Belastung. Wir waren am Limit, wir gingen echt auf dem Zahnfleisch. Und doch haben wir durchgehalten — gemeinsam, Schulter an Schulter.

Am Ende bleibt vor allem eines: tiefer Respekt und unendliche Dankbarkeit. Sabrina war nicht nur eine Hilfe, sondern eine tragende Säule in diesen Tagen.

Ein riesiges DANKE an dich, dass du extra für 3 Tage runtergekommen bist, um bei dem Transport und mit den Pensionen zu helfen. Wir haben so viel geschafft, wie andere in 2 Wochen - oder vielleicht nie!

Januar 2026


Von der Messe zur Mission:

Wie eine Webseite entstand

Wie alles begann – ein Messebesuch mit Folgen

 

Vor einem Jahr, im November 2024, war ich eigentlich nur neugierig: Die Stuttgarter Messe ANIMAL lockte mit vielen Eindrücken rund um Tierhaltung und Tierschutz. Ohne große Erwartungen und eigentlich auf der Suche nach Zubehör für meinen eigenen Hund schlenderte ich durch die Hallen – bis mich Tatjana von der Organisation Pfoten Glück Wau Miau e. V. ansprach. Aus einem kurzen Gespräch wurde ein langes, intensives Miteinander. Inzwischen fühle ich mich dem Verein zutiefst verbunden.

Dabei stellte sich heraus: Die Organisation hatte noch gar keine funktionierende Webseite. Für mich war das ein Schlüsselmoment. Kurz zuvor hatte ich zum Spaß eine andere kleine Seite gebaut – und so bot ich spontan meine Hilfe an.

Was folgte, waren viele Stunden Arbeit. Nächte, in denen ich Fotos sichtete und zusammen mit den vorhandenen Steckbriefen auf die Webseite kopierte, und versuchte, die Schicksale der Hunde mit der nötigen Distanz zu betrachten, ohne mich von der Traurigkeit überwältigen zu lassen. Schritt für Schritt entstand unsere Seite. Pfotenglueckwaumiau-ev.de war geboren.

Inzwischen ist die Seite fertig und irgendwie doch nicht. Denn es kommen immer mehr neue Vermittlungstiere hinzu, es scheint kein Ende zu nehmen. Am liebsten würde man alle zu sich holen, um ihnen ein Schicksal auf der Straße zu ersparen. Aber natürlich geht das nicht. Trotz der vielen Arbeit (die ich gerne gemacht habe!) bleibt das Gefühl, nie genug getan zu haben.

Und doch: Ich kann mir gar nicht vorstellen, nicht mehr weiter an der Seite zu arbeiten – sie zu aktualisieren, das ein oder andere Tier wieder herausnehmen zu können, weil es vermittelt wurde. Jeder dieser Momente ist ein kleiner Sieg. Ich hoffe sehr, noch lange ein Teil dieser Organisation sein zu dürfen.

Und dann sind da wieder die Glücksmomente: Wenn einer der Hunde endlich in ein neues Zuhause vermittelt wird. Wenn man die Fotos sieht, die ersten Nachrichten der Adoptanten liest und spürt, dass ein Tier nun Sicherheit, Wärme und Liebe gefunden hat. Diese Augenblicke sind unbezahlbar – sie geben Kraft und zeigen, dass sich jede Stunde Arbeit lohnt. Ich weiß, wovon ich rede. Auch wir (mein Mann und ich) haben vor 4 Jahren einen Straßenhund adoptiert und es war eine echte Herausforderung, zumal er bereits durch mehrere Hände "gereicht" wurde und er dementsprechend vorbelastet, sprich extrem misstrauisch war. Aber wir haben nicht aufgegeben und heute kann ich behaupten, dass wir einen tollen und verlässlichen Schmusebär bei uns haben, der trotz aller Widrigkeiten eine eigene, liebenswerte Persönlichkeit hat.

Tierschutz bedeutet nicht nur Freude, Rettung und glückliche Vermittlungen. Er bedeutet auch Rückschläge. Manchmal kann ein Hund, der bereits ein Zuhause gefunden hat, aus verschiedenen Gründen nicht bleiben. Besonders schwer ist es, wenn Menschen aus einer spontanen Idee heraus adoptieren oder glauben, ein ehemaliger Straßenhund würde sofort „funktionieren“. Doch diese Tiere tragen ihre Vergangenheit in sich. Sie brauchen Zeit, Geduld und Verständnis. Wenn das fehlt, stehen manche Menschen vor einer Realität, die sie unterschätzt haben – und der Hund muss zurück.

Und dann gibt es die anderen Abschiede. Die leisen. Die, bei denen ein Hund einfach nicht mehr auftaucht. Das Gelände vor Ort ist weitläufig, unübersichtlich, schwer zugänglich. Wir können nicht nach jedem einzelnen Tier suchen. Wenn ein Hund über längere Zeit nicht mehr zu den Fütterungstouren kommt, bleibt uns nur die Ungewissheit. Irgendwann müssen wir ihn von der Webseite nehmen – ein stilles Eingeständnis, dass die Hoffnung schwindet. Diese Momente brennen sich ein.

All das tut weh. Aber es zeigt auch, wie wichtig es ist, offen über die Herausforderungen zu sprechen und Familien zu finden, die bereit sind, diesen Weg wirklich mit einem Tier zu gehen. Denn eines bleibt wahr: Man bekommt vielleicht einen Hund von der Straße, aber nie die Straße aus einem Hund. Die Suche nach der passenden Familie braucht Zeit, Erfahrung und viel Gefühl – und genau das bringen die Ehrenamtlichen von Pfoten Glück Wau Miau jeden Tag mit.

Die Kosten der Seite sind überschaubar und ich trage sie aus privaten Mitteln. Das ist mein kleiner Beitrag für eine große, tolle Sache. Denn im Herzen weiß ich: Für die Hunde, für das Team, für den Tierschutz ist jede Unterstützung wertvoll. 

Vielleicht ist es genau das, was zählt: Dass wir alle unseren Teil beitragen – ob groß oder klein. Denn zusammen können wir mehr bewegen, als wir allein je schaffen würden.

Herzlichst, Eure Anke

November 2025


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